ETOPS  (Extended Twin Operations - heute: Extended Operations), der Begriff für zweimotorige Langstreckenflüge über Wasser, bei denen ein Ausweichflughafen nur in weiter Entfernung zur Verfügung steht.

Mit Beginn der Langstreckenflüge nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich die sogenannte 60-Minuten Regel durch (d.h. bei Ausfall eines Triebwerks muss der nächste erreichbare Flughafen höchstens 60 Minuten entfernt sein) - wobei die 60 Minuten sich auf die Flugzeit mit allen Triebwerken bezieht (also ohne Ausfall eines Triebwerks). Diese 60-Minuten Regel gilt heute immer noch für alle drei- und viermotorigen Verkehrsflugzeuge, wenn sie nicht nach den strengen ETOPS Vorschriften umgerüstet sind (dies betrifft insbesondere die Feuerlöschsysteme an Bord).

Grundlage für die 60-Minuten Regel waren die unzuverlässigen Kolbenmotoren. Und je stärker die Kolbenmotoren wurden, desto störanfälliger waren sie. So passierte es, dass bei einer Super Constellation der Motor Nr. 2 wegen Overspeed, der Motor Nr. 3 wegen Ölverlust und Motor Nr. 4 wegen Feuer ausfielen, alles während des Starts.

Mit dem Aufkommen der Strahltriebwerke verbesserte sich die Zuverlässigkeit der Triebwerke erheblich. Und so stellte Eastren Air Lines in den Sechziger Jahren den Antrag bei der FAA, für Flüge mit der Boeing B727 aus den USA in die Karibik, die 60-Minuten Vorschrift auf 75 Minuten zu erweitern.

Doch erst mit dem Einsatz des Airbus A300 begann das Zeitalter der zweimotorigen Langstreckenflugzeuge. Und es war Boeing mit der B767, der reguläre Flüge mit zweimotorigen Flugzeugen über Wasser durchführte. Zwar war bereits am 01. Februar 1985 eine B767 von Boston nach Paris geflogen, aber dies sollte mehr als Versuch dienen. Airbus hielt sich zurück und intervenierte sogar bei der FAA gegen die, aus Airbus Sicht, zu laschen Bestimmungen bei zweimotorigen Langstreckenflügen, weil man den Verkaufserfolg des A340 (viermotorig) gefährdet sah. Am Siegeszug des zweimotorigen Langstreckenflugzeuges änderte dies nichts. Zu jenem Zeitpunkt hatte Airbus vom A340 gerade 377 Stück ausgeliefert, während von Boeing bereits über 1.000 B777 verkauft worden waren.

120-Minuten Regel

Die FAA zögerte Mitte der Achtziger Jahre, die 60-Minuten Regel auf 120 Minuten auszudehnen. Hatte es doch zwischen 1980 und 1985 bei mehreren zweimotorigen Langstreckenflugzeugen Triebwerksausfälle und Triebwerksprobleme gegeben. Militärische Flüge und Business-Jet Flüge, die nich an die 60-Minuten Regel gebunden waren, hatten im selben Zeitraum kaum Probleme gemeldet.

Ab 1984 arbeitete die FAA an der Erweiterung der 60-Minuten Regel auf 120 Minuten. Gleichzeitig erlaubte die ICAO die 60-Minuten Regel. Der Unterschied liegt in der unterschiedlichen Bemessung: Die ICAO Regel gilt für Flüge mit 2 Triebwerken, die FAA Regel für Flüge mit einem Triebwerk.

180-Minuten Regel

Ab 1987 drängten die Fluggesellschaften und die Hersteller auf eine Erweiterung der ETOPS Regel auf 180 Minuten. Eine notwendige Voraussetzung für die 180 Minuten Erweiterung war die Verbesserung des Feuerlöschsystems an Bord. Außerdem mussten die Wartungs- und Überholungsvorschriften für ETOPS Flugzeuge verschärft werden. Diese neuen Vorschriften führten zu nicht vorhergesehenen Kostenersparnissen, denn die Zahl der Triebwerksabschaltungen während des Fluges verringerte sich signifikant.

207-Minuten Regel

1996 beantragten Boeing und Airbus gemeinsam eine zusätzliche Erweiterung der 180-Minten Regel um 15%, auf dann 207 Minuten. Die FAA forderte dazu u.a. den Einbau zusätzlicher Treibstoffpumpen. Als erstes Flugzeug erhielt die Boeing B777 die 207 Minuten Zulassung.

Am 17. März 2003 führte eine Boeing B777 der United Air Lines den bisher längsten ETOPS Flug mit nur einem Triebwerk durch. Auf dem Weg von Auckland, Neuseeland, nach Los Angeles, USA, musste die Besatzung ein Triebwerk abschalten, weil wegen eines Lagerschadens ein Ölverlust aufgetreten war. Bis zur Ausweichlandung in Kona, Hawaii, flog die B777 177 Minuten mit nur einem Triebwerk.

Weitere ETOPS Änderungen gab es im Jahr 2007. Jetzt erhalten auch drei- und viermotorige Verkehrsflugzeuge die genehmigung, 180 Minuten bei Ausfall eines Tribwerks von einem Flughafen entfernt zu sein. Vorsetzung dafür war die Umrüstung auf den ETOPS Standard sowie die Erweiterung des bordeigenen Feuerlöschsystems für 180-Minuten Regel Flüge.

240-Minuten Regel

2008 sind ETOPS Flüge für 240 Minuten genehmigt worden, d.h. das Flugzeug kann bei Ausfall eines Triebwerks noch 240 Minuten bis zu einem Ausweichflughafen mit nur einem Triebwerk fliegen.

Nach der Einführung der Boeing B787 gab es Probleme mit den bordeigenen Lithium-Ionen Batterien, hauptsächlich Überhitzungen. Airbus lernte aus den B787 Problemen und verwendet derzeit Nickel-Cadmium (Ni-Cad) Batterienim Airbus A350.

Langstreckenflüge mit 2 Triebwerken gehören heute zum fliegerischen Alltag. Auch überlange Strecken von Singapore nach New York oder von London nach Perth, Australien, werden zweimotorig beflogen (B787 und A350). Die verschärften ETOPS Vorschriften haben den Luftverkehr insgesamt sicherer gemacht.

 

Literatur:

"Engines Turn or Passengers Swim: A Case Study of How ETOPS Improved Safety and Economics in Aviation", J. Angelo DeSantis, Journal of Air Law and Commerce, Dallas, Texas, Vol. 77, Issue 4, 2013, S. 3-68.

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